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Klinisch-andrologische Untersuchung

Anhand des Behaarungsmusters, der Fettverteilung und der Konstitution wird der Patient als männlich, weiblich oder eunuchoid eingestuft.

Durch Inspektion und Palpation des äußeren Genitales werden angeborene oder erworbene Missbildungen und die Hodenkonsistenz erfasst. Die Hodengröße sollte mittels Orchidometer ermittelt werden, wobei Volumina <15ml als Atrophie einzustufen sind. Sind keine Hoden im Skrotum tastbar, so kann eine kongenitale Anorchie vorliegen, die zusätzlich durch das Fehlen sekundärer Geschlechtsmerkmale und einen eunuchoiden Habitus gekennzeichnet ist. Differenzialdiagnostisch muss an einen Maldescensus testis beidseits gedacht und ggf. weitere diagnostische Maßnahmen veranlasst werden (Abb. 2.1). Klinisch weitaus häufiger ist das Klinefelter-Syndrom zu finden, charakterisiert durch Gynäkomastie, weibliches Becken, Hochwuchs, kleine Hoden und Azoospermie. Die Ursache des Syndroms ist eine Chromosomenanomalie (XXY).

Bei den Patienten, die meist wegen Infertilität die andrologische Sprechstunde aufsuchen, kann sich durch zunehmende Leydigzell-Insuffizienz ein Testosterondefizit entwickeln, das klinisch zur Impotenz führt. Ein Östrogen produzierender Tumor (z. B. Leydig-Zelltumor), der klinisch neben einer Gynäkomastie auch durch eine Libidoverminderung auffallen kann, ist bei der Hodenpalpation meist als lokale Verhärtung feststellbar. Die Palpation des Schwellkörpers kann über die Erfassung lokaler Verhärtungen Hinweise auf eine klinisch meist mit Gliedverkrümmung einhergehende Induratio penis plastica geben. Kongenitale Deviationen des Penis, die auch zu Kohabitationsstörungen führen können, zeigen dagegen keine Verhärtungen der Tunica albuginea und sind nur durch Erektionsprovokation bei entsprechender Anamnese zu belegen. Die Untersuchung schließt mit der rektal-digitalen Untersuchung der Prostata. Schmerzhafte, teigige Konsistenz werden bei der bakteriellen Prostatitis, aber auch bei der neurovegetativen Prostatopathie gefunden, bei der letztendlich kein einheitlicher organisch pathologischer Befund erhebbar ist. Eine Ubersicht der klinisch-andrologischen Untersuchung gibt Tabelle 2.4 wieder.

Abb. 2.1. Kernspintomographische Aufnahme mit Maldescensus testis beidseits bei einem 24-jährigen Patienten, rechter Leistenhoden vergrößert und signalarm (spätere Histologie: malignes Teratom).

Tabelle 2.4. Klinisch-andrologische Untersuchung

  • Habitus (männlich, weiblich, eunuchoid)
  • Gynäkomastie
  • Behaarungsmuster
  • Hodengröße und Hodenkonsistenz (Atrophie, Tumor)
  • Schwellkörper Veränderungen (Induratio penis plastica)
  • Rektal-digitale Untersuchung

Zusammenfassung

Die klinisch-andrologische Untersuchung dient der Erfassung von Erkrankungen des äußeren Genitales, die an einer Störung der Erektion beteiligt sein können. Der konstitutionelle Habitus gibt Anhaltspunkte für eine mögliche Störung im Bereich der Sexualhormone.

der Autor: S. Alloussi E. Becht H.-V. Braedel , D. Caspari Th. Gebhardt S. Meessen V. Moll , K. Schwerdtfeger J. Steffens
Quelle: Erektile Funktionsstorungen , Diagnostik, Therapie und Begutachtung