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Radiogene erektile Dysfunktion

Das Auftreten erektiler Funktionsstorungen nach Beckenbestrahlung ist besonders bei Strahlentherapie des Prostatakarzinoms eine aufklarungspflichtige Komplikationsmoglichkeit.

Die Angaben tiber die Haufigkeit schwanken zwischen 22070 - 84070 [20]. Ftir die interstitielle Bestrahlung solI die Haufigkeit postoperativer Sexualstorungen gtinstiger liegen [5]. Nach Goldstein [6] solI die Strahlentherapie arteriosklerotische Veranderungen in den Beckenarterien beschleunigen. Die damit induzierten Erektionsstorungen waren demnach hauptsachlich arterieller Ursache. Das teilweise abrupte Auftreten der Beschwerden mit Beginn der Therapie bei einem Teil der Patienten laI3t aber auch Zweifel an dieser Hypothese berechtigt erscheinen. Bei der radikalen Prostatektomie zuvor radiotherapierter Patienten findet sich das GefaI3-Nerven-Btindel in einer dicken Narbenplatte, so daI3 auch ein KompressionsverschluI3 der Arterien in diesem Bereich moglich erscheint.

4.6 Diabetes mellitus

Bei etwa 50070 der Patienten mit Diabetes mellitus ist mit dem Auftreten einer erektilen Dysfunktion im Verlaufe ihrer Erkrankung zu rechnen [18]. Auch konnen Erektionsstorungen erste klinische Manifestation eines noch nicht bekannten Diabetes mellitus sein. Atiologisch mtissen an organischen Faktoren eine Mikro- und Makroangiopathie der penilen GeflU3e, eine Neuropathie, aber auch Schaden im kavernosen Gewebe [13] bei der Abkliirung in die differentialdiagnostischen "Oberlegungen miteinbezogen werden. An In-vitro-Studien von isolierten Corpus-cavernosum-Streifen impotenter Diabetiker konnte zudem gezeigt werden, daB die endothelabhangige Relaxation des Gewebes abgeschwacht war [24]. Bei der Diagnostik werden SKAT-Responder und SKATNon-Responder gefunden. Die Abklarung sollte unbedingt eine Blasenfunktionsuntersuchung beinhalten, da eine Blasenentleerungsstorung erstes Zeichen einer vegetativen Neuropathie sein kann. Therapeutisch wurden im eigenen Krankengut bei SKAT-Responders bevorzugt die SKAT, bei Non-Respondern eine Vakuumsaugpumpe (EHS) als Therapieoption eingesetzt. Andere Arbeitsgruppen bevorzugen sogar generell den Einsatz der Vakuumpumpe [18]. Hauri [9] berichtete tiber gute Erfolge einer arteriellen Revaskularisation der Penisgeflille. Wegen der unzureichenden Erfassung vegetativer Neuropathien und den lichtmikroskopisch nachgewiesenen Schaden im kavernosen Gewebe bei Patienten mit Diabetes mellitus wird von anderen Autoren jedoch zur operativen Zurtickhaltung bei dieser Erkrankung gemahnt.

Eine Zusammenstellung von Price et al. [18] kritisiert das derzeit noch vorhandene Informationsdefizit bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion sowohl bei Patienten als auch bei Arzten. Obwohl die meisten Patienten mit erektiler Dysfunktion eine Behandlung wtinschten, sprachen sie nur selten ihren Hausarzt auf dieses Problem an oder erhielten von ihrem Arzt nur unbrauchbare Ratschlage [12].

4.7 Slderodermie (progressive systemische Slderose)

Bei der zum Formenkreis der Kollagenosen gerechneten Sklerodermie wird auch tiber das Auftreten von Erektionsstorungen berichtet [17]. Kontrastmittelaussparungen im Kavernosogramm [18] und lichtmikroskopisch nachweisbare lokale Anhaufungen von kollagenem Bindegewebe [23] im Schwellkorper sprechen dabei fUr eine organische Ursache im Sinne einer kavernosen Fibrose. Wegen des bei diesen Patienten gehauften Auftretens eines Raynaud-Phanomens im Bereich der Hande erscheint zudem eine sekundare Arteriopathie als atiopathogenetisch relevanter Faktor moglich. Therapeutisch werden bei der meist ungtinstig verlaufenden Grunderkrankung D-Penizillamin und Kortikosteroide eingesetzt, jedoch liegen kaum Angaben zum Wert dieser Therapie zur Beeinflussung der erektilen Dysfunktion vor. Vereinzelt wurde tiber die wegen der extensiven kavernosen Fibrose schwierige Implantation einer Penisprothese, aber auch tiber den Prothesenausbau wegen postoperativer Glansnekrose [1] berichtet. In jedem Fall scheint eine interdisziplinare Therapieplanung mit Beriicksichtigung der Gesamtprognose sinnvoll.

Zusammen/assung

Verletzungen des Penis oder benachbarter Strukturen und Brkrankungen des Schwellkorpers konnen mit einer erektilen Dysfunktion einhergehen. Dies muS bei der Anamnese und klinischen Untersuchung beriicksichtigt werden. Bine erektile Dysfunktion kann auch Folge therapeutischer Bingriffe sein, woriiber der Patient praoperativ aufzuklaren ist. Beim Diabetes mellitus muS bei jedem zweiten Patienten mit dem Auftreten einer erektilen Dysfunktion im Verlaufe der Brkrankung gerechnet werden.

Literatur

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Autor: S. Alloussi E. Becht H.-V. Braedel , D. Caspari Th. Gebhardt S. Meessen V. Moll , K. Schwerdtfeger J. Steffens
Quelle: Erektile Funktionsstorungen , Diagnostik, Therapie und Begutachtung