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Nacbtlicbe Thmeszenzmessungen (NPT)

Dieses Konzept basierte auf der Vorstellung, daB fehlende nachtliche Tumeszenzen auf eine organische Ursache der erektilen Dysfunktion hinweisen. Bei organischen StOrungen wurden auch charakteristische Kurvenverlaufe dargestellt (Abb.3.10). Zur Messung wurden 2 QuecksilberdehnungsmeBstreifen urn die Basis und den Vorderschaft des Penis gelegt und Umfangsveranderungen wahrend des Schlafs mittels einer Uberwachungseinheit registriert (Abb. 3.11). Als vereinfachte Version steht fUr den ambulanten Bereich das Erektiometer nach Eska zur VerfUgung, bei welchem die Veranderungen in Zentimeterabstufungen angegeben werden. Da sehr bald erkannt wurde, daB auch bei unauffalligen nachtlichen Tumeszenzen eine organische Ursache vorliegen kann, wurden Gerate entwickelt, die sowohl die nachtlichen penilen Tumeszenzen als auch die damit einhergehenden Rigiditaten bestimmen (Rigidiscan, Fa. Dacomed, USA). Eine Korrelation der nichtinvasiven Messung der penilen Rigiditat zum intrakavern6sen Druck wurde von Virag bestatigt [5]. Als Normalbefund beim Rigidiscan gelten mindestens 3 Erektionen pro Nacht mit einer Dauer von ca. 15 min, eine Rigiditat von mindestens 70070 und eine Umfangszunahme von mehr als 3/2 cm an der Penisbasis/-spitze.

Abb. 3.10. Normale Thmeszenzen wah rend der REM-Phasen (obere Kurve). Vorzeitiger Abfall bei venoser OkklusionsstOrung (fehlende Plateauphase)

Abb.3.11. Einrichtung zur Tumeszenzmessung mittels QuecksilberdehnungsmeBstreifen

Kritische Wertung

Die Messung der nachtlichen Tumeszenzen sowie der Rigiditat [2] mit Hilfe einer Uberwachungseinheit ist ein sehr zeitaufwendig~s, stationar durchzufUhrendes und damit teures Verfahren. Die Messungen sollten in mindestens 2 - 3 Nachten durchgefUhrt werden, urn eine aussagekraftige Bewertung vornehmen zu k6nnen [1]. Die Beurteilbarkeit wird zudem dadurch eingeschrankt, daB nach dem 50. Lebensjahr die Dauer und die Starke der nachtlichen Erektionen abnehmen, aber gerade dieses Klientel den Hauptteil der Patienten ausmacht. Auch beim Pelvic-steal-Syndrom (Umverteilung des BIuts in Extremitaten bei arterieller VerschluBkrankheit) werden in Ruhe normale NPT-Kurven gefunden. Andererseits k6nnen rein psychische Ursachen, z. B. Depressionen, zu einer v6lligen Unterdruckung der nachtlichen Erektionen und damit zur fehlerhaften Diagnose einer organischen St6rung fUhren [3]. Bei etwa 20% der Patienten ohne verifizierbaren organisch-pathologischen Befund werden abnormale NPT-Messungen gefunden [4]. BIeibt die Erkenntnis, daB bei Nachweis nachtlicher Erektionen von voller Thmeszenz und Rigiditat eine organische St6rung unwahrscheinlich ist - etwas wenig angesichts des hohen technischen und Kostenaufwands. Die Dokumentation normaler Erektionen kann jedoch im Rahmen einer Begutachtung von Interesse sein. Dies zeigt, daB die NPT-Messungen keine der sonstigen klinischen Untersuchungen ersetzen k6nnen.

Auch die Kombination der Rigiditatsmessung mittels visueller sexueller Stimulation unter intrakavern6ser Pharmakaanwendung [4] ist bezuglich ihres diagnostischen Stellenwerts derzeit noch nicht einzuordnen. Die visuelle sexuelle Stimulation erscheint zur atiologischen Abklarung nicht unproblematisch, da sie individuelle, kulturelle und religi6se Aspekte unzureichend berucksichtigt und damit kaum zu standardisieren sein durfte.

Zusammenfassung

NPT-Messungen stellen zeitaufwendige, teure und mit einer nicht unerheblichen Fehlerquote behaftete Untersuchungen dar, die zur Abklarung einer erektilen Dysfunktion nicht zwingend erforderlich sind.

Literatur

1. Condra M, Morales A, Surridge DH, Owen JA, Marshall P, Fenemore J (1986) The unreliability of nocturnal penile tumescence recording as an outcome measurement in the treatment of organic impotence. J Urol 135:280-282 2. Kaneko S, Bradley WE (1986) Evaluation of erectile dysfunction with continuous monitoring of penile rigidity. J Urol 136:1026-1029 3. Thase ME et al (1987) Nocturnal penile tumescence in depressed men. Am J Psychiatry 144/1:89-92 4. Thon WF (1991) Monitoring of penile tumescence and rigidity. In: Jonas U, Thon WF, Stief CG (eds) Erectile Dysfunction. Springer, Berlin Heidelberg New York Tokyo, pp 171-177 5. Virag R, Virag H, Lajujie J (1985) A new device for measuring penile rigidity. Urology 25:80-81

Autor: S. Alloussi E. Becht H.-V. Braedel , D. Caspari Th. Gebhardt S. Meessen V. Moll , K. Schwerdtfeger J. Steffens
Quelle: Erektile Funktionsstorungen , Diagnostik, Therapie und Begutachtung